Pferde-Zahnheilkunde

Auf dieser Seite finden Sie Informationen über Pferde-Zahnheilkunde im Allgemeinen und unsere Leistungen im Speziellen.
Wir danken Frau Dr. Astrid Bienert-Zeit und der Tierärtlichen Hochschule Hannover für die freundliche Zurverfügungstellung der Fotos.
Für weitere Fragen stehen wir Ihnen natürlich gern zur Verfügung.
Viel Spaß beim Lesen wünscht Ihnen,
das Praxisteam

Das Gebiss des Pferdes

Pferde haben besondere Zähne die ein Leben lang nachwachsen und dadurch ständigen Veränderungen unterzogen sind. Aufgrund dieser lebenslangen Veränderungen ist es möglich das ungefähre Alter eines Pferdes anhand der Zähne zu schätzen. Dabei werden der Wechsel der Milchschneidezähne, der Abrieb der Kunden (kleine Schmelzeinfaltung auf den Schneidzähnen), die Formveränderung der Reibeflächen der Schneidezähne, die Stellung der Schneidezähne und der Einbisses am äußersten Schneidezahn begutachtet.
Auch Pferde haben im Fohlenalter zunächst Milchzähne.
Die Milch-Schneidezähne brechen im Durchschnitt mit 6 Tagen (Zangen, Inzisivus 1), 6 Wochen (Mittelschneidezähne, Inzisivus 2) und 6 Monaten durch (Eckschneidezähne, Inzisivus 3).
Die vorderen Milch-Backenzähne (Prämolare) brechen in der ersten Lebenswoche durch, die hinteren Backenzähne (Molare) sind nicht als Milchzahn angelegt und brechen erst als bleibender Zahn das erste Mal durch.
Die bleibenden Schneidezähne kommen dann mit 2,5 (I1), 3,5 (I2) und 4,5 (I3) Jahren, die vorderen Backenzähne mit 2,5 bis 3,5 und die hinteren Backenzähne mit 6 Monaten bis 4 Jahren.

Milchzahnkappen und Wolfszähne

persistierende Milchzahnkappen
Wenn die bleibenden Zähne durchbrechen, sitzen die Milchzähne den nachschiebenden bleibenden Zähnen zunächst als sogenannte Milchzahnkappen auf und fallen kurz danach aus, um Platz für den bleibenden Zahn zu machen. Dabei kann es passieren, dass der Milchzahn nicht ausfällt, sondern auf dem nachfolgenden Zahn “sitzen bleibt” (sogenannte persistierende Milchzahnkappen) und ihn in seinem Wachstum stört. Dann muss diese Milchzahnkappe vom Tierarzt gezogen werden.

Wolfszähne
Wolfszähne sind die selten angelegten ersten Backenzähne (Prämolarer 1) die meist nur Wurzelreste aufweisen. Stören diese Wolfszähne das Annehmen des Gebisses oder sind anderweitig schmerzhaft oder störend, können Sie gezogen werden. Das Lockern der Zahnwurzel durch den Tierarzt ist mit leichten Schmerzen verbunden, weswegen das Pferd für diesen Eingriff sediert und nach dem Eingriff gegebenenfalls mit einem Schmerzmittel versorgt werden sollte.

Abnutzung der Zähne – Haken und Spitzen

Pferde brauchen täglich großen Mengen Heu um ihren Bedarf an Strukturfutter zu decken. Dieses faserige Futter wird mit den Lippen ertastet, mit den Schneidezähnen gerupft und mit den Backenzähnen zerquetscht und zermahlen. Dabei nutzen sich die Kauflächen der Backenzähne in dem Maße ab, indem sie nachwachsen.
Statt dem ursprünglichen Rohfaser-reichen Steppengras, bekommen unsere Pferde heute Heu, Heulage und Müsli oder andere Kraftfutterarten. Dieses Futter ist zwar sehr Energie-reich und ermöglicht unseren Pferden dadurch sportliche Leistungen, aber auch deutlich Struktur-(Rohfaser)-ärmer. Durch weniger Mahlbewegungen kann die Balance zwischen Abrieb und Nachwuchs der Zähne gestört werden und die Zähne nutzen sich zu wenig oder ungleichmäßig ab. Es entstehen Haken und Spitzen, die sich schmerzhaft in die Maulschleimhaut bohren und die Kaubewegung des Pferdes nachhaltig stören.
Die typischen Zahnhaken befinden sich vorne am ersten Backenzahn im Oberkiefer und hinten am letzten Backenzahn im Unterkiefer.
Die typischen Zahnspitzen befinden sich an der Backenschleimhaut-zugewandten Seite der Backenzähne des Oberkiefers und auf der Zungen-zugewandten Seite der Backenzähne des Unterkiefers.

Welche Beschwerden lassen auf Zahnerkrankungen schließen?

  • Schmerzhaftigkeit/ Empfindlichkeit im Maul- und Backenbereich
  • Futterverweigerung/ Probleme bei der Futteraufnahme (z.B. Kauen von Wickeln)
  • Abmagerung
  • schlechtes Allgemeinbefinden
  • wiederkehrende Schlundverstopfungen
  • häufige Koliken
  • Durchfall, schlecht verdautes Futter
  • einseitiger Nasenausfluss oder Nasenbluten
  • Verformungen des Gesichtsschädels
  • Probleme beim Biegen und Stellen des (ausbalancierten) Pferdes unter dem Reiter
  • Starkes Sträuben gegen das Auftrensen, Widersetzen gegen die Reiterhand

Manche dieser Beschwerden können auch andere Ursachen besitzen, wie beispielsweise Erkrankungen anderer Körperteile (Nasennebenhöhlen, Verdauungstrakt), innere Erkrankungen (z.B. Abmagerungen bei Nierenerkrankungen) oder reiterliche Probleme, und sollten deswegen vom Tierarzt abgeklärt werden.

Wann und wie oft sollten die Zähne meines Pferdes kontrolliert werden?

Während des Zahnwechsels, also bis zum Alter von vier bis fünf Jahren, sollten Zähne und Maulhöhle in regelmäßigen Abständen von ca. 6 Monaten kontrolliert werden, um Zahnwechselstörungen (siehe auch Kapitel “Milchzahnkappen und Wolfszähne”) rechtzeitig zu bemerken und zu behandeln.
Nachdem der Zahnwechsel abgeschlossen ist, reicht in der Regel eine jährliche Gebisskontrolle bzw. Zahnbehandlung um das Gebiss des Pferdes intakt zu halten. Bei normalem Zahnabrieb müssen jährlich vor allem die entstehenden scharfen Zahnspitzen abgeschliffen werden.
Sind bei Ihrem Pferd Zahnerkrankungen wie Über- oder Unterbiss, fehlende Zähne oder ähnliches diagnostiziert worden, sollte das Gebiss in kürzeren Abständen kontrolliert werden, da schwerwiegende Zahnfehlstellungen meist schneller zu einer fehlerhaften Gebissabnutzung führen.
Fehlt beispielsweise ein Backenzahn im Unterkiefer, kann der gegenüberliegende Zahn im Oberkiefer aufgrund des fehlenden Gegenspielers unkontrolliert über das Niveau der nebenliegenden Backenzähne wachsen und so die seitliche Mahlbewegung stören.

Das alte Pferd als Zahnpatient

Gerade bei alten Pferden ist ein gut gepflegtes Gebiss nicht hoch genug wertzuschätzen. Häufig liegt hier ein Grund für Muskelabbau und Gewichtsverlust im Alter.
Allerdings ist oft nur noch eine Korrektur der Zahnstellung möglich, statt der vollständigen Wiederherstellung der Norm.
Ein typischer Zahnbefund im Alter ist das Wellengebiss. Es liegt dann vor, wenn die Backenzähne nicht – wie normal – eine einheitliche Höhe der Mahlflächen aufweisen, sondern wellenartig höher und tieferliegenden Mahlflächen, wobei lange Zähne im Oberkiefer kurzen Zähnen im Unterkiefer gegenüberliegen und umgekehrt. Diese Zahnformation stört die kreisende Mahlbewegung der Pferde empfindlich.
Natürlich müssen gerade beim alten Pferd auch andere Erkrankungen in Betracht gezogen und abgeklärt werden, wenn das Pferde stark abgemagert ist oder ein schlechtes Allgemeinbefinden aufweist.
Ist eine genügende Futteraufnahme trotz Zahnbehandlung nicht mehr möglich, muss man dem Pferd Energie-reiche Nahrung zur Verfügung stellen, die wenig Mahlaufwand der Zähne vorraussetzt, um ihre Inhaltsstoffe aufzuschlüsseln und zur Verfügung zu stellen, wie Heucobs, Rübenschnitzel oder Keimöl.

Was beinhaltet eine Zahnbehandlung durch den Tierarzt?

Die Pferde-Zahnbehandlung durch den Tierarzt beinhaltet als Erstes die genaue Befragung des Besitzers (Anamnese) auf Auffälligkeiten bei der Futteraufnahme und beim Reiten und eine ausführliche Untersuchung der Maulhöhle mithilfe eines Maulgatters.
In der Regel ist bereits für die Untersuchung eine Sedation des Pferdes nötig, um das Gatter schmerzfrei möglichst weit öffnen zu können. Nur so können auch die hintersten Zähne begutachtet und untersucht werden, um Unregelmäßigkeiten festzustellen. Jeder einzelne Zahn wird hierbei auf Abweichungen und Schmerzhaftigkeit inspiziert. Aufgrund des erhobenen Befundes wird die weitere Behandlung besprochen.
Zahnhaken und -spitzen werden mithilfe einer elektrischen Raspel gekürzt, um dem Pferd die optimale kreisförmige Mahlbewegung wieder zu ermöglichen. Die meisten Pferde lassen sich das elektrische Abraspeln ohne Sedierung nicht gefallen. Um Verletzungen von Pferd und Mensch zu minimieren, wird dem Pferd ein kurzwirkendes Sedativum in die Vene verabreicht.
Nach der Zahnbehandlung muss das Pferd bis zum Abklingen der Sedation an eine ruhige Stelle verbracht werden, an der es nicht Fressen kann, um Schluckbeschwerden in der Sedation zu vermeiden. Gut geeignet ist hierzu eine mit Spänen eingestreute Box.

Unsere Leistungen

  • Beratung bei Zahnproblemen
  • Eingehende Untersuchung der Maulhöhle mit Maulgatter
  • Zahnbehandlung mit elektrischer Zahnraspel
  • Ziehen von Wolfszähnen und Milchzahnkappen

Folgende weiterführende Zahnbehandlung führen wir in der Regel in unserer Praxis durch. Dort haben wir die Möglichkeit ihr Pferd in einen sicheren Behandlungsstand zu verbringen oder Operationen in Vollnarkose mit Inhalationsnarkose durchzuführen (siehe auch Praxisräume >>Behandlungsraum für Pferde oder >> Narkose-Box und OP-Raum)

  • Anfertigen von Röntgenbildern
  • operative Eingriffe (z.B. das Ziehen von Backenzähnen)

Selbstverständlich bilden wir uns regelmäßig auf dem Gebiet der Zahnheilkunde fort und führen alle Behandlungen nach dem aktuellen Stand der Pferdezahnmedizin durch.

Sie haben eine Frage oder wollen einen Termin zur Zahnprophylaxe oder-behandlung bei Ihrem Pferd vereinbaren? Rufen Sie uns an, unter 04543 888958 oder schreiben Sie uns eine E-Mail an Mail@Tierarztpraxis-Hude.de.